Eine Marketing-Aktion des Veranstalters des Graz Marathons kam am Osterwochenende bei den Organisatoren der abgesagten Marathon-Veranstaltungen nicht gut an.

„Wir haben natürlich jetzt auf den Ende-Juni-Termin, der von der Regierung vorgegeben worden ist, sofort reagiert und haben das noch einmal als Bestätigung gesehen, dass Ende oder Mitte Oktober ein realistischer Zeitfaktor ist,“ so Michael Kummerer, Veranstalter des Graz Marathons und wiegt die Athleten in Sicherheit. Gleichzeitig macht Kummerer auch für den von ihm organisierten „Kärnten läuft“ Event Stimmung und spricht vom „womöglich ersten Laufevent im heurigen Jahr.“ Abschliessend appelliert er an die Athleten, sich bei den beiden Wettkämpfen anzumelden. „Bei Absage garantieren wir einen Startplatz im Jahr 2021 oder Geld zurück.“

In einem offenen Brief kritisieren die Organisatoren des Vienna City Marathons, Salzburg Marathons und des Österreichischen Frauenlaufs dieses Vorgehen und sprechen auch von Täuschung der Athleten, „Die Regelungen des Graz Marathon sprechen eine andere Sprache.“

Noch keine Lösung bei Marathon-Veranstaltungen

Eine Lösung für die Startgeld-Refundierung bieten die Organisatoren der abgesagten Marathon-Veranstaltungen noch nicht. Während große internationale Triathlon-Bewerbe mit der Absage auch den Umgang mit den Startgeldern veröffentlichen, arbeiten die Österreichischen Marathon-Veranstalter im Hintergrund noch an einer Lösung. Nach knapp vier Wochen der Bekanntgabe der Lauf-Highlights findet sich auf keiner Webseite der Veranstaltungen eine Information zum Umgang mit den vorab bezahlten Startgeldern.

Die Organisatoren des Vienna City Marathons verweisen auf die AGB’s, denen jeder Teilnehmer bei der Anmeldung zustimmt. In diesen ist im Fall der Absage des Vienna City Marathons aufgrund von höherer Gewalt keine Rückerstattung vorgesehen. In einem Interview sprach Wolfgang Konrad allerdings von einem „Kulanz-Angebot“ an Läufer.

Klar ist, dass eine 100%ige Startgeld-Refundierung bei den Organisatoren der großen Events auch an die finanzielle Substanz geht. Aus diesem Grund hat laufnews.at bereits vor Wochen zur Solidarität mit den Veranstaltern aufgerufen. Allerdings erwarten sich die Läufer nach knapp einem Monat weitere Informationen im Umgang mit ihren bezahlten Startgebühren.

Ein Blick in andere Sportarten wie den Triathlon zeigt, wie es gehen kann. Veranstalter großer Events bitten um einen Solidaritätsbeitrag, oder zahlen die Startgelder zurück. „Wie es mit unserem Unternehmen weitergeht, wissen wir noch nicht, aber die Athleten stehen an erster Stelle,“ so beispielsweise Felix Walchshöfer, Organisator der Challenge Roth mit über 5.000 Teilnehmern.

 

Der öffentliche Brief im Wortlauf

Liebe Laufbegeisterte!

Aus gegebenen Anlass haben die Veranstalter des Vienna City Marathon (VCM), des Salzburg Marathon und des Österreichischen Frauenlaufs beschlossen, nachfolgenden gemeinsamen Brief an den Veranstalter des Graz Marathon zu verfassen.

„Mit großer Verwunderung haben wir den Newsletter des Graz Marathon gelesen und am Ostermontag den Beitrag auf ORF online zur Kenntnis genommen.

Wir als Familienunternehmen ringen momentan alle mit den wirtschaftlichen Folgen unserer Absagen. Dabei sind wir auch im gegenseitigen Austausch und suchen nach gemeinsamen Lösungen, die wirtschaftlich möglich sind und bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit Verständnis aufgenommen werden können.

Alle Unterzeichner dieses Schreibens wurden kurzfristig und zu einem zeitlich ungünstigen Zeitpunkt mit der Untersagung ihrer Veranstaltung konfrontiert. Wir waren sozusagen mit Höchstgeschwindigkeit unterwegs und mussten eine Vollbremsung hinlegen. Ein Großteil der Vorbereitungen und Vorleistungen ist schon erbracht worden. Die vollständige Rückzahlung aller Nenngelder oder der 100%ige Übertrag von Startplätzen auf das kommende Jahr würde daher das Ende unserer Veranstaltungen bedeuten.

Wir stellen uns nun aber die Frage:
Warum kommuniziert der Graz Marathon in der jetzigen Situation, sechs Monate vor seiner eigenen Veranstaltung, wie er im Falle einer Absage mit Nenngeldern umgehen würde?

Der Vienna City Marathon, der Österreichische Frauenlauf, der Salzburg Marathon und auch der Linz Marathon stehen im gegenseitigen Austausch und haben noch vor der jeweiligen Absage die Online-Anmeldungen geschlossen, um sich nicht Vorwürfen auszusetzen, Nenngelder zu lukrieren für ein Event, dessen Durchführung in Frage steht. Vorbildlich auch der Veranstalter des Wachau Marathon, der am 27. September 2020 stattfinden soll. Die Anmeldemöglichkeit dazu wurde geschlossen, um die weitere Entwicklung abzuwarten.

Eigentlich hätten wir uns gedacht, dass erfahrenen Veranstaltern die Tragweite ihres Handelns bewusst ist, dass sie das weitere gesellschaftliche Umfeld beachten und dass sie die Solidarität, die derzeit in der österreichischen Laufszene entsteht, mittragen. Leider wurden wir enttäuscht.

Mit der Newsletter-Aussendung des Graz Marathons wird der gesamten Laufszene, die sich vielleicht für einen Start in Graz entscheiden könnte, Sicherheit signalisiert. Während wir Frühjahrs-Laufveranstalter mit enormen wirtschaftlichen Folgen kämpfen, suggeriert der Graz Marathon bereits sechs Monate vor der Veranstaltung: „Du kannst Dich ruhig in Graz anmelden, denn Dein Startgeld ist sicher. Entweder bekommst Du es zurück oder Du kannst im nächsten Jahr starten.“

Obwohl auch die Regelungen des Graz Marathon eine andere Sprache sprechen.

Nicht im Entferntesten hätten wir uns gedacht, dass ein größerer österreichischer Veranstalter im Alleingang eine solche „Marketing Show“ abzieht. Denn auch der Graz Marathon kann in diesen Zeiten keine Sicherheit bieten. Dass ein halbes Jahr vor dem geplanten Event-Termin erst ein geringer Teil der Anmeldungen vorliegt, ist mit etwas Branchenerfahrung leicht zu erkennen. Den bereits angemeldeten Läuferinnen und Läufern nun eine 100% Übertragung oder Refundierung des Nenngelds in Aussicht zu stellen, ist im doppelten Sinn des Wortes billig. Frei nach dem Motto: ,Schaut, was in Graz möglich ist, was anderswo nicht geht.‘

Bezeichnend auch das Zitat in einem Artikel auf ORF.at (Titel: „Coronavirus – Nach Absagen: Singlestatus für Graz-Marathon“):
„Wir haben jetzt als Ersatztermin für den Wien-Marathon auch die österreichischen Meisterschaften im Marathon über den ÖLV gemeinsam in Abstimmung auch zugesprochen bekommen (…)“

Nach Rücksprache beim Österreichischen Leichtathletik-Verband (ÖLV) stellt sich jedoch heraus, dass der Termin des Graz Marathons aus mehreren Gründen nicht für günstig gesehen wird und diese Meisterschaften noch nicht vergeben wurden.
Also, auch das nur eine Marketing Show.“

Mit freundlichen Grüßen
Unterzeichner:
Vienna City Marathon
Salzburg Marathon
Österreichischer Frauenlauf

About the Author: Stefan Leitner

Stefan Leitner
Stefan Leitner ist Herausgeber des Magazins Laufnews. Als Inhaber der Sport und Event Agentur Leitner organisiert Stefan Leitner mit seinem Team die ALOHA SPORT Events. Er ist Inhaber und Geschäftsführer der Sport und Event Agentur Leitner.

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